Das deutsch-französische Mediationsprojekt
Im Oktober 1999 konstituierte sich auf Vorschlag der damaligen Justizministerinnen Deutschlands und Frankreichs, Herta Däubler-Gmelin und Elisabeth Guigou, eine insgesamt sechsköpfige parlamentarische Mediatorengruppe. Diese bestand aus drei französischen und drei deutschen Parlamentarierinnen und Parlamentariern (Frankreich: Abg. Cardo und Abg. De Villepin, MdEP Bérès; Deutschland: MdB Dr. Schwall-Düren, MdB Stöckel, MdEP Gebhardt) und wurde bis Ende 2002 in etwa 50 deutsch-französischen Sorge- und Umgangsrechtskonflikten angerufen. In einigen Fällen konnten von der parlamentarischen Mediatorengruppe, besetzt mit jeweils einem französischen und einem deutschen Parlamentarier, einvernehmliche Regelungen zwischen den streitenden Parteien herbeigeführt werden.
Im Februar 2003 vereinbarten dann die deutsche Justizministerin Brigitte Zypries und ihr französischer Amtskollege Dominique Perben, binationale Kindschaftskonflikte zukünftig professionellen Mediatoren anzuvertrauen. Die Minister kamen überein, zur Beilegung deutsch-französischer Kindschaftsstreitigkeiten ein befristetes Projekt einer binationalen professionellen Mediation durchzuführen. Die im Projekt tätigen Mediatoren wurden zusätzlich für den Einsatz als binationale Mediatoren fortgebildet. Inhalt der Fortbildungen waren sowohl rechtliche als auch kulturelle Aspekte. Die Protokolle der drei Seminare sind abrufbar unter http://www.mfbe.eu.
Das Mediationsprojekt wurde durch das deutsche und französische Justizministerium organisiert und finanziert. In dem Zeitraum von Anfang 2003 bis März 2006 wurden in über 30 Fällen binationale Mediationen durchgeführt.
Vor Durchführung der ersten Mediationen hatte das deutsche Bundesministerium der Justiz beim ARPOS-Institut in Hannover eine begleitende Forschungsstudie in Auftrag gegeben. Anhand einiger Fälle sollte die Entwicklung des Projekts beobachtet und insbesondere die Zufriedenheit der Eltern und der Mediatoren mit dem Verfahren und mit den erzielten Ergebnissen evaluiert werden: http://www.bmj.bund.de/files/-/3809/Arpos_Endbericht.pdf
Nach Einstellung der Finanzierung wird die Arbeit inzwischen von MiKK e.V. fortgeführt, indem wir in deutsch-französischen Kindschaftskonflikten beratend tätig sind und die französisch-deutschen Co-Mediatoren-Paare des Pilotprojektes mit inzwischen langjähriger Erfahrung vermitteln.
Weiterführende Artikel zum deutsch-französischen Projekt:
Carl, E. & Alles, S. (2009). Das deutsch-französische Modellprojekt professioneller Mediation – Entwicklung, Evaluation und Perspektiven. In: C.C. Paul & S. Kiesewetter (Hrsg.) Mediation bei internationalen Kindschaftskonflikten. München: Beck, 117-133
Alles, S. (2009a). Franco-German family mediation: from the experience of a parliamentary pilot project to new prospects. Abrufbar auf Englisch über: http://www.coe.int
Alles, S. (2009b). La médiation familiale franco-allemande : de l’expérience d’un projet-pilote parlementaire vers de nouvelles perspectives. Abrufbar auf Französisch über: http://www.coe.int
Carl, E., Copin, J.-P. & Ripke, L. (2004). Das deutsch-französische Modellprojekt professioneller Mediation. Ein Modell für die internationale Zusammenarbeit bei grenzübergreifenden Kindschaftskonflikten. In: Kind-Prax Spezial, 25-28 PDF-Datei, 100 KB
Ripke, L. (2004). Erste Erfahrungen bei Mediationen in internationalen Kindschaftskonflikten. In: Familie Partnerschaft Recht 4/2004, S. 199ff.
Carl, E. (2003). Mediation in internationalen Kindschaftskonflikten – Schwierigkeiten und Perspektiven länderübergreifender Sorge- und Umgangsrechtsverfahren – Projekt einer binationalen professionellen Mediation. In: Betrifft Justiz 75/2003, 130-132 PDF-Datei, 64 KB
Carl, E. (2003). Mediation in internationalen Kindschaftskonflikten. Ein deutsch-französisches Projekt. In: ZKM 6/2003, S. 264ff.
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